Der Kessel
Zufall ist im Innovationsprozess keine Störgröße, die man wegorganisiert, sondern eine konstitutive Bedingung. Wer ihn leugnet, plant an der Realität vorbei. Wer sich auf ihn verlässt, betreibt kein Management.
Bewusste Irritation im Innovationsmanagement
Innovationsprozesse sind linear organisiert — Stage-Gates, Roadmaps, Portfolios, Quartalsziele. Diese Ordnung ist notwendig, um Dinge fertigzustellen, und sie ist blind für alles, was sie nicht schon vorausgesetzt hat. Neues entsteht dort, wo die Linie bricht. Innovation-Roulette arbeitet an der Frage, ob eine Organisation diesen Bruch dem Zufall überlässt — oder ihn setzt.
Zufall ist im Innovationsprozess keine Störgröße, die man wegorganisiert, sondern eine konstitutive Bedingung. Wer ihn leugnet, plant an der Realität vorbei. Wer sich auf ihn verlässt, betreibt kein Management.
Le hasard ne favorise que les esprits préparés. Pasteurs Satz ist kein Trost, sondern eine Arbeitsanweisung. Am Rad lässt sich nichts drehen, am Spieler alles. Vorbereitung ist die einzige Variable, die einer Organisation tatsächlich gehört.
Zufall ist unsteuerbar, Irritation nicht. Sie lässt sich dosieren, adressieren und wiederholen. „Bewusst“ heißt: gesetzt, nicht erlitten. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Zufallsgenerator und einer Methode.
Innovation-Roulette steht nicht allein. Pictures of Tomorrow erzeugt strukturierte Zukunft: konsistente Szenarien, systematisch entwickelt. Questions of Tomorrow setzt an der einzelnen Frage an und liefert das schnelle Szenario-Schnellbild. Innovation-Roulette ist das komplementäre Gegenstück zu beiden — nicht die Ordnung, sondern der kontrollierte Bruch in der Ordnung.
Diese Seite ist ein Vorlauf. Die Position steht, das Werkzeug entsteht. Grundlage ist die Dissertation Innovationen zwischen Planung und Zufall — Bausteine einer Theorie der bewussten Irritation (LMU München, 2012). Wer mitdenken will, schreibt.